Wegescouting rund um Frauenkron – Teil 2

Auf Umwegen

Nach diesem kleinen Naturbad mache ich mich auf die Suche nach einem Weg, der eigentlich genau hinter mir in den Wald gehen soll. Betonung auf „soll“. Hatte ich schon erwähnt, dass meine Karte etwas veraltet ist… ?

Also geht es stattdessen einen forstlich frequentierten Waldweg bergauf, vorbei an einer kleinen Lichtung, die mit einem Jagdstand aber wenig einladend erscheint. Nach der nächsten Biegung komme ich dann auf einen geteerten schmalen Weg. Ich trauere noch einmal kurz dem eigentlich gesuchten Weg mitten durch den Wald nach, bevor ich dann gute 20 Minuten später links auf den Parallelweg abbiege, den ich eigentlich erreichen wollte. Ein Schild weist den Wegabschnitt als Teil der Eifelschleife „Wilder Buchenwald“ aus.

Der geheime Pfad

Das nächste Schild ist für Eifelschleifen-Wanderer dann eine echte Kopfnuss, da es an einem Wegabzweig, auf einen eher nicht genutzten Pfad in den Wald zu zeigen scheint. Kurz irritiert will ich meinen Weg geradeaus fortsetzen (in der Richtung geht auch die Eifelschleife weiter), komme dann aber angesichts der Richtung des Waldpfades auf die Idee, dass das doch der von mir von unten her gesuchte Weg sein könnte. Das muss jetzt natürlich erkundet werden. Auch nach einigen Metern in den Wald hinein ist tatsächlich noch so eine Art Weg erkennbar und ich werde ringsum von dicht stehenden Buchen empfangen, zwischen denen die Sonne auf den Waldboden scheint. Auch wenn der Weg immer blasser wird ist umdrehen jetzt keine Option mehr, zumal meine Position auf dem Handy sich dem Weg nähert, von dem aus ich diesen Abzweig gesucht hatte. Jetzt bin ich gespannt, wie die beiden Wege sich verbinden. Die letzten Meter sind dann doch eher nach Kompass, als nach erkennbarem Weg zurückzulegen, dann noch über eine kleine Furt gesprungen, zwischen Büschen durch und plötzlich war ich wieder an meinem Kraftort. Super, mein erster Geheimpfad, garantiert in keinem Wanderführer zu finden.

Von Baumriesen und Fernblicken

Die nächste Entdeckung auf meiner kleinen Reise ist ein großer Totholzbereich, durch den auch die mittlerweile zweite ausgewiesene Eifelschleife durchführt. Bewusst vom Förster als Totholz geringelte Baumriesen stehen hier zwischen gesunden Bäumen und verbreiten eine ganz eigentümliche Atmosphäre, die auch einen besonderen Meditationsort abgibt.

Ich mache noch einen weiteren Umweg auf meiner ursprünglich skizzierten Route, und werde mit einem tollen Fernblick über ein teilgerodetes Tal und einem weiteren Kraftort an einem idyllischen Wiesenhang neben einer hölzernen Brücke belohnt.

Paradies am See

Mein weiterer Weg führt mich durch ein breites, offenes Tal, das vor Idylle in Farbenpracht und Bewuchs nur so strotzt, auch wenn der Wanderweg hier asphaltiert ist und die mittlerweile dritte Eifelschleife (13 Quellen) kreuzt.

Ganz unerwartet entdecke ich dann plötzlich hinter dicht stehenden, jungen Fichten und kleineren Buchen doch tatsächlich eine Wasserfläche.

In dem Moment frage ich mich, ob meine Wanderkarte nicht endgültig ein Fall fürs Altpapier ist, denn ein See ist da nicht drin, und dass der See zu gut 50% mit Seerosenblättern verdeckt wird, ist jetzt auch keine Entschuldigung. Vielleicht ist der kleine blaue Fleck auf der Karte für meine Augen aber auch einfach zu klein… Um für mein GPS die Wegführung zu dem Totholzwald noch zu komplettieren gehe ich jedenfalls noch ein wenig um den See herum und stoße auf die sicherlich schönste Wanderschutzhütte der Eifel, die bilderbuchmäßig umsäumt wird von einer wunderschönen Wildblumenwiese auf der es summt und brummt, was das Zeug hält. Ich traue mich kaum diesen ungestört und magisch wirkenden Ort zu betreten, bahne mir aber dann vorsichtig doch einen Weg zu den Sitzbänken für eine weitere kleine Meditation (Beitragsbild).

Der lange Weg zurück

Trotz langsam heranziehender Regenwolken will ich noch einen weiteren Umweg auf meinem Rückweg wagen, um ein weiteres Tal zu erkunden. Der auf der Karte optisch nicht sooo lang erscheinende Weg erweist sich dann doch schnell als ordentliche Zusatzstrecke. Entlohnt werde ich mit einem abgeschiedenen Stichweg, der sich schön für eine Gehmeditation eignet, und einem ursprünglichen Sumpftal, durch das sich ein Bach völlig unberührt durch hohe Wiesen schlängelt. Dichte Vegetation am Wegrand greift hin und wieder nach mir und begleitet mich noch sehr lange auf meinem Rückweg.

Wenn diese Beschreibungen hier jetzt etwas protokollarisch klingen so entspricht das der Stimmung in der ich mich nach dem unerwartet langen Umweg befand, die irgendwann dann doch ganz unmeditativ zielgerichtet auf die Ankunft in Frauenkron ausgerichtet war. Das sind die Momente, in denen man merkt wie weit die eigene Meditationspraxis nach Jahren wirklich ist…

Geschafft

Auf den letzten Metern werde ich dann doch noch von einem kleinen Regenschauer eingeholt, der sich nach der doch recht anstrengenden Gesamtstrecke von knapp 22 km aber als ganz erfrischend erweist.

Letztlich ist die Erkundungstour dann doch etwas länger ausgefallen als geplant. Aber dafür habe ich tolle Orte entdeckt und viele alternative Wegmöglichkeiten erkundet, die ich nun zu interessanten Touren unterschiedlicher Länge zusammenstellen kann. Ihr dürft also gespannt sein.

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Wegescouting rund um Frauenkron – Teil 1

Wie fängt man an, neue Wege zu Erkunden (Wegescouting)? Ganz einfach, indem man sie geht, würde man in spirituellen Kreisen jetzt sagen. Nun das mag auf einer höheren Bewusstseinsebene sicher zielführend sein, ist aber dann mit Wanderschuhen an den Füßen und ganz ohne Vorbereitung doch so eine Sache.

Ein bisschen Planung schadet nicht

Daher habe ich mich doch erst mal der eher herkömmlichen Methode mit Landkarte und ein bisschen Vorausplanung zugewandt. Bei meinen Erkundungstouren finde ich im besten Fall ruhige vielleicht auch etwas geheimnisvolle Wege, idyllische Kraftorte, treffe auf kleine Insektenparadiese oder weitgehend unberührte Fleckchen Erde und werde nicht von der Begegnung mit einer wenig besinnlichen, dafür umso mehr befahrenen Bundesstraße überrascht. Da lohnt sich etwas Vorausplanung.

Ab nach Dahlem

Nachdem ich meine ganzen Wanderkarten der Eifel also mal grob mit dem Finger abgefahren bin, um vielversprechende Regionen (zumindest vom Blick auf die Karte her) auszumachen, habe ich mich dazu entschlossen in der Region Dahlem mit meiner Suche zu beginnen, genauer in der Region Zitterwald und Udenbrether Wald. Startpunkt meiner ersten Erkundungstour sollte Frauenkron sein, ein ländliches 200 Seelendorf in der Nähe vom etwas bekannteren Ort Kronenburg.

Die Waldbereiche hier sind durchzogen von vielen kleinen Bachtälern. Das ließ mich doch auf einige schöne Plätze hoffen, zumal die Region nicht gerade überlaufen ist.

Wegescouting – Los geht’s

Vom Dorfparkplatz aus geht es erst einmal über einen kleinen Höhenweg, der einen schönen Blick auf den Ort gewährt und sich entlang von weitläufigen Hangweiden ganz possierlich schlängelt. Hinter der ersten größeren Biegung öffnet sich ein weiter Blick entlang des Tallaufs und bergan scheint man über duftende Wildblumenwiesen direkt in den Himmel hochsteigen zu können. Was für ein Start. Begleitet werde ich von einer erstaunlich hohen Anzahl von eher selten zu sehenden Wanderfalken, die rüttelnd nach Beute Ausschau halten.

An einer Weggabelung schlage ich den Weg entlang eines kleinen Bachtals ein, nicht jedoch bevor ich feststellen muss, dass meine Wanderkarte wohl hoffnungslos veraltet ist. Man weiß, dass eine Wanderkarte wirklich alt ist, wenn es in der Karte eingezeichnete Wege nicht nur nicht mehr gibt, sondern auch mit viel gutem Willen nicht mal mehr ansatzweise ein Weg zu erkennen ist an der bezeichneten Stelle. Also zur Sicherheit doch noch das Handy rausgeholt…

In sanftem Anstieg geht es vorbei an älteren Rodungsflächen, wo sich jetzt im sonnig beschienen Waldboden eine farbenfrohe Blumenpracht breit macht.

Ein Kraftort

Hinter einer langgezogenen Wegkurve ist er dann plötzlich da. Mein erster Kraftort. Eine ins Nirgendwo führende alte Holzbrücke, die wohl irgendwann mal Teil des Wegverlaufs war, liegt versteckt unter Bäumen neben meinem Waldpfad umrahmt von einer kleinen über und über mit Schmetterlingen bevölkerten Blumenwiese. Dazu gibt die Sonne ihr Bestes und ich setze mich erst einmal auf meinen mitgeführten Yogablock, um diesen Ort in mich aufzunehmen.

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